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"Kleine mediterrane Ecke"

Stefano Scarlatti erfüllt sich mit Artcafé Macondo einen Traum
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Galerie, Musikbühne und Café in einem: Der 51 Jahre alte Römer Stefano Scarlatti will seiner Kultur-Bar Macondo einen Ort der Begegnung schaffen.
OBERURSEL. "Mein Traum war es, irgendwo, irgendwann wieder eine Musikgeschichte zu machen", sagt der Italiener mit schulterlangem Haar und blauen Augen. Der zischende Milchaufschäumer verdeckt für einen kurzen Moment die karibischen Klänge einer Calypso-CD, die durch den gelb gestrichenen Raum tönen. Stefano Scarlatti, der 1993 von Rom nach Oberursel gezogen ist, hat sich seinen Traum erfüllt. Im Januar diesen Jahres eröffnete er das "Artcafé & Vineria Macondo" an der Strackgasse 14, einige Meter von der Kirche entfernt.

"Ich wollte einen Ort der Begegnung schaffen", sagt der 51-Jährige und strahlt. "Einen Platz für Musik, Literatur und Malerei." Bilder von Matisse und Man Ray hängen neben der Bar. In der Mitte des Cafés steht eine gelbe Säule an der Kastanienzweige herausragen.

Scarlatti hat seine Vineria nach dem Dorf "Macondo" aus Gabriel García Márquez' Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" benannt. Einer der Protagonisten im Roman, lebt angekettet an dem Kastanienbaum auf dem Dorfplatz. "Auch mein ganzes Leben spielt sich nur an diesem einen Ort ab", sagt der einstige Psychologie-Student und lacht. Ein "verrücktes" Buch, in dem "einfach alles passiert" - wie in seinem Café.

Regelmäßig lädt Scarlatti Schriftsteller ein. An Samstagen hat jeder Besucher die Möglichkeit, fünf Minuten lang seine eigenen literarischen Schöpfungen zu präsentieren. Auch Maler zeigen ihre Werke. Noch bis zum 31. Oktober hängen abstrakte Landschaften der Malerin Cela König an den Wänden. "So haben wir alle sechs Wochen neue Tapeten und die Künstler haben die Möglichkeit provisionsfrei zu verkaufen." Seit einiger Zeit hat das Café freitagabends zu einem Anziehungspunkt entwickelt, wenn bei freiem Eintritt überwiegend Blues- und Jazzbands, aber auch gelegentlich Irish-Folk-Gruppen auftreten.

Pünktlich um 23 Uhr müssen die Musiker einpacken: wegen der Anwohner. Als Barbesitzer habe man es in Deutschland nicht so einfach, sagt Scarlatti: "Leute zwischen 30 und 40 mit harten Jobs in Frankfurt sehen Oberursel nur als ihr Schlafzimmer an." Und da soll es ruhig sein. Um Kultur zu erleben, würden sie nach Frankfurt fahren. Zu seinen Stammgästen zählt der Italiener auch Bürgermeister Hans-Georg Brum. Doch nicht alle Oberurseler zeigen so viel Verständnis für die "kleine mediterrane Ecke", wie er seine Kultur-Bar nennt.

Für Musik begeisterte Scarlatti sich schon in den 1970er Jahren. Im Alter von 26 organisierte der Römer zum ersten Mal ein Jazzfestival in seiner Geburtsstadt und eröffnete zudem ein Jazzlokal. Nachdem er für einige Zeit auch mal einen Antiquitätenladen und ein Reisebüro in Rom führte, arbeitete er acht Jahre bei einem Marketingunternehmen in Bad Homburg. 2001 verlor er seinen Arbeitsplatz: Die Abfindung hat der Hobby-Maler in sein Café investiert: "Reich kann ich damit nicht werden, doch möchte ich etwas für das kulturelle Leben in dieser Stadt tun."

Am Donnerstag, 16. Oktober, stellen Titanic-Redakteur Hans Zippert und Cartoon-Zeichner Bernd Pfarr im Artcafé Macondo ihr Buch "Wenn Tiere verreisen" vor. Am Freitag, 17. Oktober, spielt die Gruppe "Foots Love You & Giuseppe Porello" Blues, Soul, Reggae und Calypso. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.macondo.tk
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