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Geschichten rund um die alte Stierstädter Linde

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Kindheitserinnerungen aus den fünfziger Jahren hat der Stierstädter Alexander Becker in seinem Buch „Treffpunkt Alte Linde“ zusammengefasst. Foto: ach
Stierstadt (ach). „Sechs bis zwölf Jahre“ steht auf dem Einband von Alexander Beckers „Treffpunkt Alte Linde“, aber gern werden auch wesentlich Ältere zu dem literarischen Erstlingswerk des heute 56-Jährigen greifen, um beim Lesen in Gedanken das alte Stierstadt wieder lebendig werden zu lassen.

Damals muss der kleine Axel, wie der heute große Alex sich selbst in den Geschichten nennt, wohl sieben Jahre alt gewesen sein, denn Ferdi, sein Cousin, fordert ihn auf Seite 30 auf, noch ein Jahr mit der Mutprobe zur Aufnahme in die Bande, die Hugo im Ringkampf von Henck übernommen hat, zu warten: „Ich fürchte, die wirst du jetzt noch nicht bestehen. Na ja, vielleicht im nächsten Jahr, dann bist du acht Jahre. Da sieht das schon etwas anders aus.“ Aus heutiger Sicht gibt Alex zu: „Natürlich wurmte das Axel, aber was sollte er tun?“

Axel ist nicht gerade der strahlende Held in den Geschichten rund um die alte Linde, sondern der Kleine, der sich gegen ältere Kameraden durchbeißen muss. Und das meist mit seiner kleinen Schwester Jenny im Gepäck, die am liebsten aus der Buchstabensuppe ihren Namen auf dem Tellerrand legte. Dritter im Bunde war Mecki, ihr Spitz, der eigentlich noch nerviger war als Jenny, aber Axel in der unterirdischen Röhre des Urselbachs unerwartet zu Hilfe kam und mit lautem Gebell die widerlichen Rattenscharen verschreckte.

Mancher Stierstädter wird sich trotz veränderter Namen bestimmt wieder erkennen in den Geschichten von Alex. Etwa der Atzeler, der Axel oft aus dem Kindergarten der Ordensschwestern geholt hat und ihm die schönste Glasmurmel von seiner Lieblingstante abgespielt hat. Oder die Mitbewohner im Haus: Tante Liese, der „Dorfgendarm“ mit Friseursalon im Erdgeschoss, und die Schwägerin im Dachgeschoss mit ihren drei Jungs, deren Mann zwar keine Arbeit, aber ein Motorrad hatte. Natürlich Tante Käthe mit ihrem Kramladen, bei der Axel immer ins Bonbonglas greifen durfte, wenn er Milch und Butter holte. Nicht nur seine Abenteuer als kleiner Lausbub machen Alexander Beckers „Treffpunkt Alte Linde“ lesenswert, sondern auch die liebevolle Schilderung des alten Dorflebens mit seinen typischen Gestalten, wie sie in der heutigen Zeit kaum noch denkbar sind.

Weitab der alten Stierstädter Linde im Schatten von St. Sebastian ließ sich Alexander Becker in Griechenland während seines Urlaubs im vergangenen Jahr von der Muse küssen und begann seine Erinnerungen aus den 50er Jahren aufzuschreiben. „Ich hatte ja keine Ahnung, ob das irgend jemand lesen will, aber nachdem Fiona, meine Tochter und strengste Kritikerin, das Erstlingswerk verschlungen hatte und für gut befand, entschloss ich mich, es zu veröffentlichen“, erzählt der Autor. Mittlerweile hat es sich in Stierstadt und im Bekanntenkreis herum gesprochen, dass da ein literarisches Kleinod entstanden ist, welches an die alten Zeiten erinnert, in denen die alte Linde wirklich noch der Mittelpunkt des dörflichen Lebens und Treffpunkt für Jung und Alt war.

Becker will nicht ausschließen, dass es eine Fortsetzung gibt, denn Geschichten rund um die alte Linde gibt es sicher noch reichlich. Aber auch wenn er näher an die Gegenwart rückt, dürfte es genug lesenswerten Stoff aus seinem Leben geben. Immerhin hat er als Spediteur bestimmt genug interessante Leute kennen gelernt, als Bürgermeisterkandidat und SPD-Stadtverordneter vielleicht Geschichten erlebt die noch närrischer sind als jene aus der Zeit, als er Karnevalsprinz war. Mittlerweile hat der Jungautor schon eine Einladung für seine erste Lesung am Donnerstag, 6. Mai, um 19 Uhr bei Stefano Scarlatti im Artcafé Macondo in der Strackgasse. Auch auf der nächsten Frankfurter Buchmesse will Becker präsent sein, um Kontakte mit Verlegern zu knüpfen.
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