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Dichte Sprache, intensive Bilder

Oberursel. Von der Suche nach Liebe, nach Erkenntnis und Mut, einer Begegnung mit dem gesichtslosen Todesboten und der Geburt der Liebesgöttin Aphrodite erzählt das Erstlingswerk des Bommersheimers Tobias Josef Piwowar. «Der Duft des Mondes» will intimen Einblick geben in die Sehnsüchte junger Menschen, in eine «Welt voller romantischer Gefühle, die so typisch sind für diesen Lebensabschnitt der Persönlichkeitsentwicklung». Dabei hat der 21-Jährige mit der für seine Altersgenossen typischen Null-Bock-Stimmung gar nichts am Hut. Der gebürtige Weimarer war anfangs sichtlich nervös, als er am Donnerstagabend im Artcafé Macondo Auszüge aus seinem Debütroman las.

Das Motto, unter dem er seine fantastischen Erzählungen und Gedichte schreibt, nahm er sich dann jedoch schnell zu Herzen. «Ich möchte mit meinen Worten Bilder malen. Wenn ein Bild geglückt ist, dann kehrt Ruhe in die Sprache ein. Am Ende soll der Leser entspannt ausatmen können.» Der junge Schriftsteller und Student an der Frankfurter Goethe-Universität bezeichnete die Veranstaltung als eine «Lesung ohne Buch», denn noch habe er keinen Verlag gefunden. Erste vorläufige Gespräche hätten allerdings stattgefunden.

Dass der Weg zum Erfolg steinig sein kann, lernte der Student früh. «Während meiner Grundschulzeit sollte ich im Goethehaus in Weimar ein Gedicht aufsagen. Vor lauter Aufregung vergrub ich mich jedoch weinend im Schoß meiner Mutter. In der Schule wurde ich daraufhin als Heulsuse abgestempelt.»

So schnell gibt er heute nicht mehr auf, und heute hat Piwowar – trotz seiner Jugend – bereits eine ganz eigene Stimme entwickelt. Er verarbeitet die Wut der Generation X, hält allerdings bewussten Abstand von banalen Aussagen. Seine Sprache ist dicht gepackt mit intensiven Bildern. In seiner Erzählung wird ein Discothekenbesuch zu einem Ausflug in eine «Spaßfabrik im Nachttaumel», in dessen Verlauf junge Männer versuchen, bei «Blondinen in Reizuniform» mit «Hemdkragen hoch und mit Verführerblick zu punkten». Weniger weltlich setzt sich die «Reise des jungen Helden durch die Nacht» fort, als dieser beim Sternenball zum König gekrönt wird und sich später den Weg zum Olymp, dem Sitz der griechischen Götter, zu bahnen versucht.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich der Jungliterat nicht an den Ikonen gegenwärtiger Bestsellerlisten orientiert, sondern bevorzugt in die Vergangenheit blickt. «Die Kunst der Moderne ist in meinen Augen nichts sagend. Kunst sollte die Menschen fühlen lassen dürfen. Das passiert aber nicht, wenn ich dauernd wiederhole, dass alles scheiße ist.»

Einen Spannungsbogen zwischen der Sprache der Klassik und den Bildern der Moderne wolle er schlagen. Dafür bediene er sich zuweilen der Bildersprache Goethes, Schillers Gedankensturm, der Metaphysik Hölderlins und Thomas Manns Beobachtungsgabe. «Ich blättere auch gerne mal in griechischen Sagen.»
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