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Des Künstlers Werk wird stets anders als geplant

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Zum puren Malen hatte Michael Rüster nie Lust. Seine plastischen Bilder regen dagegen zum Nachdenken an. Foto: Priedemuth
Oberursel. Michael Rüster ist ein Tüftler, ob nun in seinem Beruf als Techniker oder aber in Sachen Kunst. Er versteht es, in seinen dreidimensionalen Bildern Materialien miteinander zu kombinieren, die einen normalen Handwerker wahrscheinlich vor ein kniffliges Problem stellen würde. Seine Arbeiten sind zurzeit im Artcafé Macondo in der Strackgasse zu bewundern. Auch, wenn es Michael Rüster «der Liebe wegen» in die Wetterau, genauer gesagt nach Karben, verschlagen hat, ist er doch in Orschel geboren und aufgewachsen. «Tja, die Liebe ist weg, in der Wetterau bin ich geblieben», sagt er schmunzelnd.

Seine manchmal leicht ironischen, manchmal auch sozialkritischen Bilder sind echte Hingucker. «Wanderbaustelle» heißt eins, dass den Betrachter automatisch zum Schmunzeln bringt. Rüster hat einfach aus dem herkömmlichen Straßenschild eine ganz eigene Kreation gemacht, indem der Bauarbeiter das Loch, das er ursprünglich schaufelt, hinter sich herzieht. «Manchmal habe ich einfach ein bisschen Quatsch im Kopf», kommentiert Rüster sein Werk. Aber reine Spielerei ist das Kunstwerk dann doch nicht. «Ich wollte damit auch auf die persönliche Weiterentwicklung eines Künstlers anspielen», sagt er.

So eine Aussage ist allerdings selten, denn der Karbener kommentiert seine Bilder nur sehr ungern. «Den Satz: ‚Was will der Künstler uns damit sagen?‘, den hasse ich wirklich», gesteht er offen. «Die Leute sollen sich ihre eigene Meinung zu meinen Sachen bilden. Manche interpretieren sie ganz anders, als ich, aber das macht die Kunst doch erst lebendig», findet er. Seit 2000 macht er Kunst, davor hat er sich lange Zeit mit dem Bau von Dioramen – plastisch wirkenden Schaubildern – beschäftigt. Für die Malerei oder das Zeichnen konnte sich der 36-Jährige nie richtig erwärmen. «Ich habe nun mal ein Faible für 3-D-Geschichten. Warum sollte ich einen Schatten zeichnen, wenn ich ihn umsonst kriegen kann?», scherzt er.

In seinen Bildern verwendet er häufig Alltagsgegenstände, die er manchmal beim Bummeln durch Geschäfte entdeckt. «Tulip 3» ist dafür ein gutes Beispiel. Auf schwarzem Untergrund springen dem Betrachter sechs quietschgelbe Gegenstände ins Auge, die in der Form ein wenig an Donuts aus Schaumstoff erinnern. Wo beim Donut normalerweise das Loch ist, steckt hier allerdings Stahlwolle drin. «Diese Dinger», klärt Rüster schnell auf, «sind chinesische Topfreiniger, die ich in einem dieser türkischen Läden aufgestöbert habe, in denen es fast alles gibt.»

Nachdenklicher stimmt das Bild «Worth – Wert». Von der Sprühdose bis zur Glühbirne findet sich dort alles, was man so wegwirft. Aber auch der Mensch selbst, so zeigt es jedenfalls Rüster in seinem Bild, wird weggeworfen. Aus einer Tetra-Pak-Flasche ergießt sich ein Strom von Menschen. Wie geht unsere Gesellschaft mit Menschen um? Das ist vielleicht die Frage, die ihm dabei durch den Kopf gegangen ist.

«Ich habe meistens klare Vorstellungen davon, wie ein Bild später aussehen soll, doch am Ende ist davon nicht mehr viel übrig», sagt Rüster, doch er sagt es ohne Bedauern. Sollte es eines Tages so sein, dann so glaubt er, habe er sein Ziel als Künstler verfehlt und aus ihm sei ein Kunsthandwerker geworden. «Ich möchte aber auch keine abgehobene Kunst machen», beteuert er. «Ich sehe das ganz banal. Entweder meine Sachen gefallen oder sie gefallen nicht.» Wer sich über Rüsters Arbeiten ein eigenes Urteil bilden möchte, kann die Kunstwerke noch bis zum 7. Januar im Artcafé «Macondo» in der Strackgasse bewundern. Oder im Internet unter www.artaktion.de anschauen.
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