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Unkraut aus dem Kopf wächst auf der Leinwand

Oberursel.„Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“, sagte einst der berühmte Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Einen ähnlichen Bezug zur Kunst findet der aus Oberursel stammende Künstler Dirk Kalthoff, wenn auch mit anderen, etwas flapsigen Worten. „Wenn ich mich abends an der Staffelei manchmal austobe, kommt zuweilen viel Unkraut aus dem Kopf auf die Leinwand“, sagt Kalthoff. Werke des Malers sind von Samstag an sechs Wochen lang im Rahmen der Ausstellung „Innovatiwas DK“ im Oberurseler Artcafé Macondo zu sehen. Die Vernissage beginnt am Samstag um 18 Uhr.

Der Künstler malt auch Landschaften, Porträts und Stillleben. Gezeigt aber werden – wie der Titel der Ausstellung schon andeutet – die „innovativen“ Werke, die der Künstler als „Unkraut aus dem Kopf“ bezeichnet. „Mit meinen Bildern verarbeite ich sowohl private Eindrücke als auch Aspekte aus dem Zeitgeschehen“, so der 38-Jährige. Zu den privaten Eindrücken zählt sicherlich das Bild „Die Ruderer“, das morgendliche Rudersportler bei Sonnenaufgang auf der Fechenheimer Mainschleife zeigt. Zur Kategorie Zeitgeschehen gehört beispielsweise das Motiv einer Radierung, das Kalthoff einem Zeitungsbild entnommen hat. Es zeigt Kinder in Nordsibirien, die Schutzbrillen tragen und auf ihre wöchentliche Bestrahlung von ultraviolettem Licht warten. Die künstliche UV-Strahlung dient dem Aufbau von Vitamin D.

„Meine Malerei hat eine grafische Note“, sagt Kalthoff. „Ich arbeite mit deutlichen Konturen und starken Kontrasten. In der Farbgestaltung nutze ich jedoch Freiräume. So kann ein Wasserflugzeug beispielsweise auch mal orange sein und ein Mensch blau.“ Bestimmte Motive wie Katzen, Flugzeuge oder Schiffe kehren auf den Bildern mehrfach wieder. Bei den Schiffen schimmert die Affinität des Künstlers zur See durch. Vorm Abitur wollte Kalthoff zur See fahren und absolvierte ein vierwöchiges Praktikum auf einem Fährschiff der Linie Zeebrügge–Hull. Doch das Interesse für Kunst überwog. Wie ein roter Faden durchzieht es das Leben des Künstlers. „Mein Vater war Grafiker, und meine Eltern förderten die ersten Ambitionen fürs Malen und Zeichnen“, erinnert sich Kalthoff. An der Schule belegte er Kunst als Leistungsfach und studierte nach dem Zivildienst Kunstpädagogik und Biologie. Auch als er später als Lademeister bei der Post arbeitete, ließ ihn die Leidenschaft für die Malerei nicht los. So hängte er schließlich 2004 den Brotjob an den Nagel und gründete eine Ich-AG, um sich stärker der Kunst zu widmen.

„Kunst macht mehr Spaß als die Fließbandarbeit bei der Post“, so Kalthoff. Um sein Können zu erweitern, studiert er seit fünf Semestern an der Abendschule am Frankfurter Städel, wo er sich verstärkt mit Stillleben, Aktzeichnen und Porträtmalen beschäftigt hat. „Die Kurse an der Städelschen Abendschule bei meinen Lehrerinnen Nicole van den Plas und Veronika Schwegler haben mir nochmals einen kreativen Schub gegeben“, so Kalthoff, der seine Werke bislang in Frankfurt, Ingelheim und Bad Homburg ausgestellt hat.

Außer der Tätigkeit als freier Künstler arbeitet Kalthoff als Dozent. An der Integrierten Gesamtschule Nordend leitet er eine Kunst-AG und für die Volkshochschule Hochtaunuskreis gibt er in Oberursel regelmäßig Kurse für Kunst und Modellbau. Der Brunnenstadt fühlt sich Kalthoff sehr verbunden. „Oberursel ist meine Heimat. Dort bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen“, so der nun in Frankfurt-Bornheim lebende „Ex-Orscheler“, der in den Neunzigern zeitweise Vorsitzender des Jugendrings war.

In Oberursel sind seine Werke jetzt zum ersten Mal zu sehen. „Das Macondo gibt bislang unbekannten Künstlern – egal ob Fotografen, Malern oder Comic-Zeichnern – die Möglichkeit, ihre Werke sechs Wochen lang auszustellen“, sagt Macondo-Betreiber Stefano Scarlatti. „Das ist ein fairer Deal – sie können ihre Werke aus der Schublade holen, und ich habe alle sechs Wochen neue Tapeten.“
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