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Frankfurter Rundschau vom 15.10.2025
"Kleine mediterrane Ecke"
Stefano Scarlatti erfllt sich mit Artcaf Macondo einen Traum
VON MIRIAM ANTON
Galerie, Musikbhne und Caf in einem: Der 51 Jahre alte Rmer Stefano Scarlatti will seiner Kultur-Bar Macondo einen Ort der Begegnung schaffen.
OBERURSEL. "Mein Traum war es, irgendwo, irgendwann wieder eine Musikgeschichte zu machen", sagt der Italiener mit schulterlangem Haar und blauen Augen. Der zischende Milchaufschumer verdeckt fr einen kurzen Moment die karibischen Klnge einer Calypso-CD, die durch den gelb gestrichenen Raum tnen. Stefano Scarlatti, der 1993 von Rom nach Oberursel gezogen ist, hat sich seinen Traum erfllt. Im Januar diesen Jahres erffnete er das "Artcaf & Vineria Macondo" an der Strackgasse 14, einige Meter von der Kirche entfernt.

"Ich wollte einen Ort der Begegnung schaffen", sagt der 51-Jhrige und strahlt. "Einen Platz fr Musik, Literatur und Malerei." Bilder von Matisse und Man Ray hngen neben der Bar. In der Mitte des Cafs steht eine gelbe Sule an der Kastanienzweige herausragen.

Scarlatti hat seine Vineria nach dem Dorf "Macondo" aus Gabriel Garca Mrquez' Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" benannt. Einer der Protagonisten im Roman, lebt angekettet an dem Kastanienbaum auf dem Dorfplatz. "Auch mein ganzes Leben spielt sich nur an diesem einen Ort ab", sagt der einstige Psychologie-Student und lacht. Ein "verrcktes" Buch, in dem "einfach alles passiert" - wie in seinem Caf.

Regelmig ldt Scarlatti Schriftsteller ein. An Samstagen hat jeder Besucher die Mglichkeit, fnf Minuten lang seine eigenen literarischen Schpfungen zu prsentieren. Auch Maler zeigen ihre Werke. Noch bis zum 31. Oktober hngen abstrakte Landschaften der Malerin Cela Knig an den Wnden. "So haben wir alle sechs Wochen neue Tapeten und die Knstler haben die Mglichkeit provisionsfrei zu verkaufen." Seit einiger Zeit hat das Caf freitagabends zu einem Anziehungspunkt entwickelt, wenn bei freiem Eintritt berwiegend Blues- und Jazzbands, aber auch gelegentlich Irish-Folk-Gruppen auftreten.

Pnktlich um 23 Uhr mssen die Musiker einpacken: wegen der Anwohner. Als Barbesitzer habe man es in Deutschland nicht so einfach, sagt Scarlatti: "Leute zwischen 30 und 40 mit harten Jobs in Frankfurt sehen Oberursel nur als ihr Schlafzimmer an." Und da soll es ruhig sein. Um Kultur zu erleben, wrden sie nach Frankfurt fahren. Zu seinen Stammgsten zhlt der Italiener auch Brgermeister Hans-Georg Brum. Doch nicht alle Oberurseler zeigen so viel Verstndnis fr die "kleine mediterrane Ecke", wie er seine Kultur-Bar nennt.

Fr Musik begeisterte Scarlatti sich schon in den 1970er Jahren. Im Alter von 26 organisierte der Rmer zum ersten Mal ein Jazzfestival in seiner Geburtsstadt und erffnete zudem ein Jazzlokal. Nachdem er fr einige Zeit auch mal einen Antiquittenladen und ein Reisebro in Rom fhrte, arbeitete er acht Jahre bei einem Marketingunternehmen in Bad Homburg. 2001 verlor er seinen Arbeitsplatz: Die Abfindung hat der Hobby-Maler in sein Caf investiert: "Reich kann ich damit nicht werden, doch mchte ich etwas fr das kulturelle Leben in dieser Stadt tun."

Am Donnerstag, 16. Oktober, stellen Titanic-Redakteur Hans Zippert und Cartoon-Zeichner Bernd Pfarr im Artcaf Macondo ihr Buch "Wenn Tiere verreisen" vor. Am Freitag, 17. Oktober, spielt die Gruppe "Foots Love You & Giuseppe Porello" Blues, Soul, Reggae und Calypso. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.macondo.tk
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