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Taunuszeitung vom 29.09.2025
Als die Stadtmusikanten beschlossen, Superstars zu werden
Von Martina Dreisbach
Oberursel. Das "Offene Mikro" der Literaturtage, in greren Stdten wie etwa Berlin "Open Mike" genannt, ein Mikrofon also, in das jedermann eigene Texte sprechen darf, hatte eine gute Zeit, Samstag, 15 Uhr, und einen guten Ort, das "Macondo". Die Fugngerstraen der Stadt waren schon fast leer, die Lden fast alle geschlossen, das Wetter nicht zu hei, nicht zu kalt, der Cappuccino gut und das Publikum vor farbenfroher Bilderkunst neugierig.

Wenn schon in Oberursel nicht das Literaturfieber ausgebrochen war, so grassierte doch eine gewisse literarische Lust. Die ganz Jungen, wie in Berlin etwa, waren nicht da. Es trauten sich mehr jene lngst erwachsenen Dichter und Dichterinnen, die gern Literaturzirkeln entspringen, eine Mischung aus innerer und uerer Aufgeregtheit, mal gereimt, mal ungereimt: Daheim schreiben ist das eine, vor Publikum lesen das andere. Aber alles ging gut.

Der Zufall wollte es, dass mit Michael Meinicke, Jahrgang 1948, ein Berliner mit Berliner Tonfall eine nicht unwitzige Geschichte von den Vier Stadtmusikanten las, die Superstars werden wollten.

Fnf Minuten nur durfte jeder ran, was einerseits gut war, andererseits die Vortragenden zu einer Schnelligkeit zwang, die nicht jedem Text bekommt. Wie Meinicke, der Schriftsteller, schreibt auch Monika Heil "viele, viele Jahre", aber offenbar mehr privat. Leicht zitterte das Blatt in ihrer Hand, von dem sie Poeme ablas mit Zeilen wie "Die Sterne wollen schlafen" oder "Schreib sie auf, die Trnen, sprach der Mond".

Hessisch und richtig lebhaft wurde es mit Ingrid Melzer. Um eine Erbschaft ging es in ihrer Geschichte mit Charakteren wie der Rosalinde von Wallenberg. Frau Melzer hantierte heftig mit ihrem Buch herum und trug derart bhnenreif vor, dass das Mikro nur so zischte und krachte. Was Deutschland in seinen Wohnstuben noch so dichterisch hervor bringt, bewies die nchste Dame, welche schon fr Kinder und Kindeskinder ihres Lebens Erlebnisse aufschreiben wollte. Sie begannen mit einer Reise ("ich sitze auf dem Rcksitz") in die Schweiz und einer ersten Rast in Karlsruhe.

Den "Hit" des "Open Mike" lieferte Hobbydichter Werner Buss, der ziemlich genau so aussah, wie man sich schttelreimende Hobbydichter vorstellt: "Mit Knoblauch schmecken/ besonders Schnecken/ Der Schnecken Blut / mir schmecken gut/Schnecken / Schmecken", zwei fnf-, zwei vier-und zwei zweisilbige Reime. Oder doch lieber das (aus weiblicher Feder): "Glcklich ist, wer vergit, was nicht mehr zu finden ist".
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